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Innovationen und künstliche Intelligenz im deutschen Mittelstand

Die mittelständische Wirtschaft bildet in Deutschland die Basis für Innovationsentwicklungen. Mittlerweile ist der Themenkomplex „Innovation“ eng verbunden mit dem Ausbau und der Anwendung „Künstlicher Intelligenz (KI)“. Zwar sind im deutschen Mittelstand die Ausgaben für Innovationen weiter gestiegen, jedoch gibt es auch deutliche Hinweise, die eine künftige Beeinträchtigung der Innovationsbereitschaft vorhersehen, zumal die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz offene Fragen bereithält.

Niemand bestreitet die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz für die deutsche Wirtschaft. Dies hat die Bundesregierung in ihrer Zielformulierung Ende 2018 in aller Deutlichkeit ebenfalls bestätigt durch die sogenannte „Nationale Strategie für Künstliche Intelligenz“. Danach soll Deutschland zu einem führenden Standort für KI ausgebaut werden – und zwar im weltweiten Vergleich.

Das Ziel für Deutschland lautet: Innovationen und Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

Dennoch gibt es Hemmnisse, die die angestrebte deutsche Führungsposition gefährden und damit auch den deutschen Mittelstand abhängen könnten.
Ein zentrales Hemmnis besteht in dem permanent vorhandenen Mangel an Fach- und Führungskräften. Bei ca. 34 % der deutschen Unternehmen führen Personalengpässe zu erheblichen Störungen und Zeitverschiebungen innerhalb der Innovationsprozesse. Das gilt vor allem für die Elektroindustrie, die IT-Branche und den Maschinenbau.

Das BMBF wird deshalb weitere Finanzmittel für Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen bis hin zum Masterniveau bereitstellen. Hierbei handelt es sich um eine wichtige bildungspolitische Zielsetzung, die jedoch erst mittelfristig greifen wird. Es bleibt abzuwarten, ob es gelingt, ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die USA, Kanada und GB deutlich im Vorteil sind. Deshalb ist auch hier keine schnelle Lösung zu erwarten.

Für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) besteht außerdem ein Hemmnis durch die geringere Datenbasis sowie durch die fehlende digitale Reife im Vergleich zum gehobenen Mittelstand. Die Datenmenge ist eine zwingende Voraussetzung für die KI-Entwicklung.

Deutsche Unternehmen sollen ihre Positionen im Weltmarkt ausbauen

Kleine und mittlere Unternehmen werden außerdem Probleme bekommen, wenn sie ihre Entwicklungsmaßnahmen kontinuierlich aus dem eigenen Cash-flow finanzieren wollen. Die finanzielle Leistungsfähigkeit ist eine wesentliche Bedingung, um qualitativ hochwertige Datenmengen generieren zu können und um die digitale Reife auf ein höheres Niveau zu heben.

Es gibt gegenwärtig keine Hinweise darauf, dass die klassischen Banken in Deutschland ihre Kreditvergabe lockern werden. Deshalb sollten wir die KfW im Auge behalten, die den ERP-Digitalisierungskredit und das Kreditprogramm ERP-Mezzanine für Innovation bereithält, verbunden mit einer gleichzeitig erheblichen Risikoentlastung für die Hausbank.

Wenn wir die Chancen und Widerstände auf dem Weg zur Steigerung der Innovationserfolge abwägen, dann dürfen wir auch mit berechtigtem Optimismus in die Zukunft schauen. Zwar sehen Experten die Gefahr, dass der deutsche Mittelstand im internationalen Vergleich abgehängt werden könnte, doch gleichzeitig besteht Übereinstimmung darin, dass Innovationen und KI als Gesamtpaket von herausragender Bedeutung sein werden. Dies hat auch die Bundesregierung erkannt und mit ihrer „Nationalen Strategie“ unterstrichen. Somit befinden wir uns an der Schwelle zu einem gesellschaftlichen Gemeinschaftsprojekt, das den gesamten Mittelstand umfasst.

Der Markt für Unternehmensverkäufe erwartet steigende Preise

Dabei sprechen die Zahlen für sich: Der deutsche Mittelstand ist großflächig angelegt, da unserem Mittelstandsbegriff ca. 99 % der Unternehmen zuzuordnen sind, die wiederum 60 % der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze vorhalten. Wenn aus der politischen Zielsetzung eine übergreifende konzertierte Aktion mit der Wirtschaft entsteht, die auf übereinstimmende Interessen aller Beteiligten beruht, dann wird der Wissens- und Finanztransfer in den Mittelstand gelingen.

Vor diesem Hintergrund sollten wir uns fragen, wie die Akteure auf dem Markt für Unternehmensverkäufe agieren werden. Investoren werden zweifellos ihren Blick verstärkt auf Unternehmen richten, die die oben beschriebenen Innovationziele erreichen konnten.

Es zeichnet sich ab, dass die steigende Nachfrage zu überhöhten Kaufpreisen führen wird. Dagegen werden Unternehmen mit niedriger digitaler Reife nur schwer zu veräußern sein.

Karl-Otto Billmore
Development & Strategy