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Das Going-Concern-Prinzip beim Unternehmensverkauf

Das Going-Concern-Prinzip beim Unternehmensverkauf

Die Bedeutung von Going-Concern

Was besagt Going-Concern bzw. das Going-Concern-Prinzip? Zunächst stellen wir fest, dass dieser Begriff aus dem englischen Sprachraum übernommen wurde und frei übersetzt „Unternehmensfortführung“ bedeutet. Somit handelt es sich um eine auf die Zukunft ausgerichtete Aussage. Eine solche Einschätzung verlangt In Deutschland der Gesetzgeber bei der Erstellung von Jahresabschlüssen, indem er sagt: „Bei der Bewertung der Aktiva und Passiva ist von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen“ (vergl. § 252 I Nr. 2 HGB). Der Fortführungsgedanke ist zu verneinen, wenn besondere wirtschaftliche Einschnitte zu erwarten sind, wie z.B. Gewinneinbrüche und Zahlungsunfähigkeit mit einer einhergehenden Überschuldung.

Zunächst beurteilt die Geschäftsleitung – also das Management selbst – die Stärken, Schwächen und Risiken der eigenen Unternehmensfortführung im Anhang des Jahresabschlusses. Die Zeitachse umfasst mindestens das nächstfolgende Geschäftsjahr. Sobald die Fortführung des Unternehmens nicht mehr vorhersehbar ist und eine Unternehmensliquidation bevorsteht, weichen die daraus resultierenden Bewertungsgrundsätze vom Going-Concern-Prinzip ab.

Der in die Zukunft weisende Blick, der für die Bewertung der Aktiva und Passiva von entscheidender Bedeutung ist, spielt auch beim Kauf und Verkauf eines Unternehmens eine elementare Rolle.

Der Wille zur Unternehmensfortführung als treibende Kraft

Ein Unternehmensverkauf ist stets von der festen Überzeugung einer erfolgreichen Fortführung geprägt. Der Veräußerer hat selbstbewusst seine Gewinnprognose präsentiert und der Erwerber hat sie kritisch geprüft. Danach einigt man sich auf einen Kaufpreis.

Wir können also festhalten, dass jedem Unternehmensverkauf das Going-Concern-Prinzip zugrunde liegt. Aus diesem Prinzip entsteht die Motivation auf der Erwerberseite, die in der Folge zur treibenden Kraft wird.

Der begründete Nachweis für eine erfolgreiche Unternehmensfortführung

Der Veräußerer wird sich also vorher die Frage stellen, wie lässt sich der Fortführungsgedanke zukunftsorientiert, wahrheitsgemäß und realitätsnah nachweisen. Dazu sind folgende Schritte empfehlenswert:

  1. Als Ausgangspunkt sollte der Veräußerer einen Stichtag wählen, der zeitnah in der Gegenwart liegt. Ein Ausgangspunkt, der bereits 1 oder 2 Geschäftsjahre zurückliegt, ist kontraproduktiv, da es in der Zwischenzeit zu Veränderungen gekommen ist. Der Erwerber will erkennen können, wo das Unternehmen heute steht mit allen aktuellen Bedingungen. Schließlich kauf er das Unternehmen jetzt und deshalb interessiert ihn im ersten Schritt die aktuelle Unternehmenssituation.
  2. Nachdem der Ausgangspunkt sichtbar gemacht worden ist, kommt es im zweiten Schritt darauf an, die Gewinnprognose und damit die Qualität der Unternehmensfortführung in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Dabei greifen wir auf alle Erlös- und Aufwandskonten der Gewinn- und Verlustrechnung zurück und schreiben sämtliche Konten für die kommenden drei Jahre fort. Dazu werden z. B. folgende Unterlagen benötigt:
  • Umsatzplanung des Vertriebs, wiederkehrende Einnahmen (Kundenverträge)
  • Einkaufskonditionen aus dem Beschaffungswesen (Lieferantenverträge)
  • Wettbewerbsanalyse
  • Branchen- und Konjunkturberichte
  • Personalbestand, Personalentwicklung (Arbeitsverträge)
  • Alle anderen vertraglichen Verpflichtungen (z.B. Bank, Leasing, Miete usw.)
  • Investitionstätigkeit
  • Bewertung des technischen Know-hows
  • Produktlebenszyklus

Unter Berücksichtigung der vorhandenen Daten und Fakten lassen sich die bereits vorhandenen Konten aus der Buchhaltung fortschreiben. Das gilt sowohl für die Aufwands- und Ertragskonten der Gewinn- und Verlustrechnung als auch für die aktiven und passiven Bestandkonten der Bilanz.

Sobald der Planungsprozess und damit die Fortschreibung der Konten abgeschlossen ist, erhält der Betrachter ein klares Bild über die künftige Geschäftsentwicklung – und zwar in Bezug auf die Ertragskraft (Gewinnerwartung) als auch in Bezug auf ein klar strukturiertes Bilanzbild mit einer konkreten Aussage zum Vermögen, zu den Schulden und der Eigenkapitalquote.

Der Veräußerer steht somit in der Pflicht, das Going-Concern-Prinzip gewissenhaft zu verfolgen und möglichst voll umfänglich mit Daten und Fakten zu untermauern. Wenn dieser Schritt gelingt, wird sich der Kaufinteressent für den Erwerb entscheiden und damit für die Fortführung des Unternehmens.

Going-Concern ist ein positiv ausgelegter Begriff. Er unterstellt, dass das bewertete Unternehmen eine Zukunft hat. Der optimistische Blick nach vorne sollte seriös begründet werden, weil es sich um eine Vorhersage handelt. Sie ist von elementarer Bedeutung und somit auch ein fester Bestandteil im Prozess eines Unternehmensverkaufs.

Karl-Otto Billmore
Development & Strategy